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Wie neutral ist medienneutral?

Daniel Wrigley

„Unser Redaktionssystem verspricht medienneutrale Datenhaltung mittels XML – aber was dabei herauskommt ist in Wahrheit gar nicht medienneutral.“ Solche oder ähnliche Aussagen bekommt man öfter zu hören, sie geben die gelebte praktische Erfahrung in vielen Verlagen wieder.
Schon seit vielen Jahren beschäftigen sich die Verlage landauf landab mit den Herausforderungen der sogenannten „Single-Source“-Produktion. Derzeit erhält das Thema wieder mächtigen Auftrieb, nachdem längst nicht mehr nur noch der klassische Online-Kanal als weiterer Ausgabe-Chanel zum Print hinzukommt, sondern vor allem durch neue mobile Hardware wie Smartphones, Tablets, E-Reader, Ultrabooks und dafür benötigte Software sowie Etablierung neuer Dateiformate mehr Flexibilität denn je gefordert wird.

Dabei hört sich das Versprechen der Medienneutralität so verlockend wie einfach an:
Man trenne einfach den Inhalt von der Struktur und der Form, und schon lassen sich die einmal erstellten Inhalte mit Hilfe unterschiedlicher Formbeschreibungen beliebig unterschiedlich strukturieren, darstellen und verwerten.
Vor allem letzteres ist es natürlich, was die Verlage zum Single-Source-Publishing antreibt. Die Vorstellung, einmal bereits bezahlte Inhalte über verschiedene Kanäle hinweg mehrfach verkaufen zu können, oder wenigstens beim mehrfachen Einsatz der Inhalte in der Produktion der unterschiedlichen Ausgabeformate Kosten einsparen zu können, weckt Begehrlichkeiten.
Dabei droht allerdings aus dem Blick zu geraten, dass sich Inhalt und Darstellung nicht immer zu hundert Prozent sinnvoll voneinander trennen lassen, und manche Medienformate durchaus eine schon auf Autorenebene anzusetzende, eigene Ausdrucksweise verlangen können. Hinzu kommt, dass die medienneutrale Datenhaltung ein sehr komplexes Unterfangen ist, und nicht immer widerspruchsfrei funktioniert.
Neben einem oder mehrere XML-Schemata werden mitunter verschiedene Formbeschreibungen als XSLT, DDT oder CSS benötigt, mitunter werden doch Layout-Attribuierung der XML-Quellinhalte benötigt, was zu einem Bruch der Medienneutralität führt.
Da letztendlich das Zielformat darüber entscheidet, in welcher Struktur, mit welchen Inhaltsteilen und in welcher Form der Inhalt veröffentlicht werden soll, gibt es eine klare Zielformatabhängigkeit. Das heißt, für jedes Zieldokument wird ein Satz an XSL-Templates, Layoutregeln und Konverterskripten/ -programmen benötigt. Skripten und Regeln für verschiedene Zielformate werden in unterschiedlichen Sprachen kodiert und müssen größtenteils programmiert werden. Häufig veralten solche Skripte und halten den Anforderungen aus den Änderungen im Ausgabeformat nicht stand, umständliche, zeitraubende und kostenträchtige Anpassungen sind die Folge.
Das bedeutet jedoch keineswegs, dass der XML-Workflow für crossmediales Publizieren ein Irrweg wäre. Im Gegenteil, insbesondere für effektive, rasche, und aktuelle Produktionen speziell für den Online-Bereich sind XML-Daten praktisch unverzichtbar.
Für eine Optimierung der Workflow-Prozesse in diesem Bereich stehen eine Reihe nützlicher Werkzeuge bereit, mit denen sich einer Vollautomatisierung annähern lässt, und umständliches Skripten-Handling entbehrlich wird.
SHI bietet hierzu mit seiner „SHI Work Bench“ einen preisgünstigen Einstieg in die Prozessoptimierung zum Datenhandling.